Warum das hier nötig ist
In diesem Markt ist der Abstand zwischen einem ordentlichen Dienstleister und einer Abzockseite größer als in fast jeder anderen Branche, und beide sehen auf den ersten Blick gleich aus: moderne Website, Sternebewertungen, Zahlungslogos. Die Unterschiede liegen an Stellen, die sich in zwei Minuten prüfen lassen, wenn man weiß, wo man hinsehen muss. Diese sieben Punkte kosten dich vor dem Bezahlen eine kurze Runde über die Seite — danach weißt du mehr über den Anbieter als aus jeder Bewertung.
1. Wird nach dem Passwort gefragt?
Das ist der eine Punkt, bei dem es nichts abzuwägen gibt. Für Follower, Likes, Aufrufe oder Kommentare genügt die öffentliche Adresse deines Profils oder Beitrags. Niemand braucht dein Passwort, niemand braucht einen Bestätigungscode, niemand braucht Zugriff auf dein Konto. Fragt eine Seite danach, brich sofort ab — unabhängig davon, wie überzeugend der Rest aussieht. Dasselbe gilt für Apps, die du installieren sollst, und für Anmeldungen, bei denen du weitreichende Rechte an deinem Konto erteilst.
2. Gibt es ein Impressum mit Anschrift?
In Deutschland ist ein Impressum für geschäftsmäßige Websites vorgeschrieben, mit Namen, ladungsfähiger Anschrift und einer Möglichkeit zur schnellen Kontaktaufnahme. Fehlt es, oder stehen dort nur eine Mailadresse und ein Postfach, hast du im Streitfall niemanden. Prüfe zusätzlich, ob eine Handelsregister- oder Companies-House-Nummer angegeben ist: Die lässt sich in einer Minute im öffentlichen Register nachschlagen. Eine Firma, die es dort nicht gibt, gibt es nicht.
3. Bekommst du eine Bestellnummer?
Ein ordentlicher Ablauf endet mit einer Bestellnummer und einer Seite, auf der du den Stand von Zahlung und Bearbeitung nachsehen kannst. Das klingt banal, ist aber der Unterschied zwischen einem Vorgang und einer Überweisung ins Nichts. Ohne Bestellnummer hast du keinen Bezug, auf den du dich berufen kannst, wenn etwas nicht ankommt. Achte darauf, ob der Status wirklich etwas anzeigt oder nur eine Animation läuft.
4. Steht da, was NICHT versprochen wird?
Das ist der aussagekräftigste Punkt der Liste, und der am seltensten erfüllte. Seriöse Anbieter schreiben hin, worauf sich ihr Leistungsversprechen bezieht — und worauf nicht. Niemand kann organisches Wachstum zusichern, niemand kann garantieren, dass eine Plattform deine Inhalte häufiger empfiehlt, niemand kann versprechen, dass gelieferte Zahlen dauerhaft bleiben. Wer all das trotzdem verspricht, hat entweder nicht verstanden, was er verkauft, oder er weiß es und sagt es trotzdem. Beides ist ein Grund, weiterzuklicken.
5. Sind die Bewertungen überprüfbar?
Sechs Kundenstimmen mit Vornamen, Anfangsbuchstaben und einem bunten Kreis als Profilbild sind kein Nachweis, sondern Text auf einer Seite. Prüfbar wird eine Bewertung erst, wenn sie auf einer Plattform liegt, die der Anbieter nicht selbst kontrolliert. Und noch etwas: Erfundene Verbraucherbewertungen sind in Deutschland nach dem Anhang zu § 3 Abs. 3 UWG ohne jede weitere Prüfung unzulässig. Ein Anbieter, der sie zeigt, verstößt gegen genau das Recht, auf das du dich im Streitfall berufen müsstest.
6. Siehst du den Preis vor der Kasse?
Menge und Preis gehören auf die Seite, bevor du Daten eingibst. Wo der Preis erst nach der Registrierung oder nach dem Anlegen eines Guthabens sichtbar wird, ist die Reihenfolge absichtlich gedreht. Besonders heikel sind Gratisangebote, die im letzten Schritt eine Kreditkarte für null Euro verlangen — dahinter steht fast immer ein Abonnement, das sich nach der Testphase verlängert. Prüfe außerdem, ob irgendwo von wiederkehrenden Zahlungen die Rede ist.
7. Wohin führt die Zahlung?
Beim Bezahlen solltest du auf der Seite eines erkennbaren Zahlungsdienstleisters landen, mit dessen Namen in der Adresszeile und einer verschlüsselten Verbindung. Ein Formular, das Kartendaten direkt auf der Shop-Seite abfragt, ohne dass ein Dienstleister erkennbar ist, ist ein Warnzeichen. Prüfe dort noch einmal Betrag und Währung, bevor du bestätigst: Der angezeigte Betrag ist der, der abgebucht wird, und er sollte mit dem übereinstimmen, was du ausgewählt hast.
Die Warnzeichen auf einen Blick
Passwort oder Bestätigungscode verlangt. Kein Impressum oder eines ohne Anschrift. Keine Bestellnummer, kein Status. Garantien auf organisches Wachstum, Umsatz oder dauerhafte Zahlen. Bewertungen ausschließlich auf der eigenen Seite. Preis erst nach Anmeldung. Kartendaten ohne erkennbaren Zahlungsdienstleister. Gratisangebote, die eine Karte für null Euro verlangen. Trifft einer dieser Punkte zu, ist das ein Hinweis. Treffen zwei zu, such dir jemand anderen — es gibt genug Anbieter, und der Preisunterschied zwischen dem günstigsten und dem ordentlichen liegt meist bei wenigen Euro.